
Reading time: 15 minutes
Wie kann ich auf Social Media meine Engagement Rate und Reichweite (Reach) steigern? Mit Serienformaten bei Postings kann Content nicht nur skaliert, sondern auch algorithmusfreundlich eingebaut werden. Daneben ist ein guter Hook zum Einstieg sowie Wiedererkennbarkeit über Setting, Tonalität, wiederkehrende Personen, Textstil und Sound wichtig. Kommentaranlässe, die nicht erzwungen sind sorgen für Engagement und relevante Incentives bei Gewinnspielen für die passende Audience auf deinem Kanal. Mit Instagram Broadcast Channels schaffst du Exklusivität und solltest du einmal einen viralen Post haben, achte auf Follow-Ups, die in der Hinterhand parat stehen sollten.
New year, new me: „Dieses Jahr gehe ich aber wirklich öfter ins Fitnessstudio!“ Wer kennt es nicht? Mit diesem Vorsatz starten viele Menschen ins neue Jahr. Damit ist der Januar für Gyms Hochsaison: Es gibt zahlreiche Neuanmeldungen und Probetrainings, und die Menschen sind besonders aufnahmebereit für Angebote.
Für welches Fitnessstudio wir uns entscheiden, hängt von mehreren Faktoren ab: Nähe, Preis-Leistungs-Verhältnis, Geräte- und Kursangebot, aber auch Markenpräferenz. Oft ist es ein sympathischer, gut aufgebauter und reichweitenstarker Social-Media-Auftritt, der Aufmerksamkeit erzeugt und die Brand Preference mitprägt.
Um diese Werte hochzuhalten, brauchen auch Fitnessstudios Disziplin und gute Vorsätze für ihre Feeds. Wie könnten diese 2026 aussehen und was nehmen wir uns davon als Marken auch abseits der Fitness-Branche mit?
Wir haben untersucht, welche Fitness-Brands im DACH-Raum im Dezember auf Instagram eine überdurchschnittlich starke Reach und Engagement Rate (vereinfacht: Verhältnis von Interaktionen wie Likes, Kommentaren und Shares zur Follower-Basis) erzielen konnten.
Inhaltsübersicht:
Die Top 20 Marken nach Engagement Rate sowie nach Reichweite (jeweils bezogen auf die im Dezember auf Instagram im Feed veröffentlichten Content Pieces, also Posts und Reels) haben wir in den Tabellen unten aufgelistet.
Welche Muster stecken hinter den stärksten Performances und was davon schafft es auf unsere Ins-vs.-Outs-Liste für das Social-Media-Marketing 2026?
| Brand | Land | Ø Engagement |
|---|---|---|
| fitplus.franchise | DE | 20,7% |
| fitx | DE | 10,9% |
| fitnessfirstger | DE | 9,9% |
| holmesplaceaustria | AT | 9,2% |
| fitnessfirst.austria | AT | 8,6% |
| fitseveneleven_ | DE | 8,1% |
| intersport.de | DE | 7,7% |
| primetimefitness | DE | 6,1% |
| basefive_ | AT | 3,8% |
| intelligentstrength | AT | 3,1% |
| terra.sports.official | DE | 2,7% |
| mammut | CH | 2,5% |
| globetrotterde | DE | 2,4% |
| puregym.swiss | CH | 2,4% |
| johnreedfitness_ | DE | 2,1% |
| kieser.global | CH | 1,9% |
| holmesplacede | DE | 1,8% |
| evofitness_austria | AT | 1,7% |
| davidlloyd_meridian | DE | 1,7% |
| venicebeach_fitness | DE | 1,6% |
| Brand | Land | Reichweite (Reach) |
|---|---|---|
| fitx | DE | 2.028.700 |
| fitnessfirstger | DE | 1.947.700 |
| mammut | CH | 1.208.800 |
| intelligentstrength | AT | 546.600 |
| intersport.de | DE | 387.400 |
| ai_fitness_de | DE | 387.100 |
| primetimefitness | DE | 320.700 |
| globetrotterde | DE | 297.800 |
| rose_bikes | DE | 252.500 |
| mcfit | DE | 245.700 |
| fitseveneleven_ | DE | 245.600 |
| dynafit | DE | 242.800 |
| bergfreunde | DE | 215.300 |
| cube.bikes | DE | 170.300 |
| basefive_ | AT | 136.800 |
| holmesplaceaustria | AT | 113.400 |
| intersport.at | AT | 108.900 |
| cleverfit | DE | 97.800 |
| theurbanheroes | DE | 90.800 |
| activfitness.ch | CH | 68.000 |
Mit einer Engagement Rate von rund 20% liegt im Dezember der Franchise-Account von FitPlus ganz vorne. Dabei ist das Profil ein gutes Beispiel dafür, warum hohe Engagement Rates ohne Kontext schnell irreführend sind: Bei kleinen Accounts (fitplus.franchise hat nur rund 1.400 Follower:innen) kann die Engagement Rate schon durch relativ wenige Interaktionen stark steigen. Genau das ist hier der Fall.
Spannend ist aber vor allem, wie diese Interaktionen zustande kommen, und was sich davon für Brands ableiten lässt. FitPlus aktiviert das Engagement im Dezember primär über eine klassische Adventskalender-Mechanik: statische Türchen-Posts mit klarer Teilnahme-Logik (folgen, liken, Freund:in markieren). Das ist sauber umgesetzt und sorgt zuverlässig für Likes und Kommentare. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Creatives, wo das Format Potenzial liegen lässt: Der Gewinn wird im Posting selbst nicht sichtbar, die Visuals sind sehr ähnlich und eher „Kalenderblatt“ als Scroll-Stopper. Auf Instagram, wo Watchtime und Tempo den Algorithmus stark beeinflussen, ist damit schnell potentielle Reichweite verschenkt. Anbieten würde sich stattdessen etwa ein konsistenter Rahmen, aber pro Türchen ein klar variierender Scroll-Stopper: Gewinn oder Benefit sofort sichtbar, stärkerer Hook im ersten Frame bzw. als Reel mit Tempo statt statischem Kalenderblatt.

Dazu kommt ein strategischer Punkt, der bei FitPlus besonders auffällt: FitPlus ist als Franchise-Account eigentlich klar Richtung B2B-Partner:innen positioniert, der Content-Mix wirkt aber wie ein Spagat zwischen B2B (Franchise-/System-Themen) und B2C (Trainingstipps, Adventskalender). Das Problem ist hier die Zielgruppenlogik: Wer über Fitness-Content einsteigt, landet plötzlich in Franchise-Kommunikation (und umgekehrt). Das kann zwar Reaktionen bringen, baut aber nicht automatisch Relevanz auf.
Das Learning: Engagement lässt sich schnell mobilisieren. Nachhaltig wird es aber erst, wenn Zielgruppe und Format auch zusammenpassen, also entweder Franchise-Content konsequent als plattformgerechte Serie gestaltet (etwa Partner-Stories, Q&As, Standort-Builds als Reels) oder B2C-Content klar als eigener, Instagram-nativer Stream (weniger Textgrafiken, mehr Reels/Storytelling/UGC) umgesetzt wird.
Genau deshalb lohnt sich der Blick über die reine Quote hinaus: Entscheidend ist nicht nur, wer die höchste Engagement Rate hat, sondern wer Interaktion so aufbaut, dass sie auch bei größerer Reichweite (ganz gleich, ob Paid oder Organic) stabil funktioniert, und sich damit in skalierbare Markenrelevanz übersetzen lässt.
Takeaways für Brands
Die deutsche Discounter-Fitnesskette FitX hat im Dezember auf Instagram nicht nur enorme Reichweiten erzielt (für alle Posts und Reels zusammen über 3,4 Millionen Impressions!), sondern auch durchgängig hohe Interaktionsraten (im Schnitt über 11%) mit der Community erzeugt. Diese Zahlen bilden damit eine ideale Steilvorlage für potentielle Neuanmeldungen im Januar.
Wie viele andere Marken hat fitX im Dezember einen Adventskalender in den Postingplan integriert. Fair enough: Das ist ein gängiger Ansatz, um schnell und vergleichsweise günstig viel Reichweite und starkes Engagement zu erzeugen, wobei solche Gewinnspiele keine Dauerstrategie sein sollten, da sie unter anderem ein Engagement aus Gewinnabsicht und nicht aus Interesse am Content fördern. Das kann den übrigen Content abwerten und zu langfristig dazu führen, dass die Reach sinkt. Was bei FitX heraussticht, ist aber die gelungene Aufmachung: Anstelle statischer Feed-Posts mit beliebigen Incentives ist hier jedes Adventskalender-Türchen ein kanalgerecht aufbereitetes Reel (Top-Reichweiten-Format, das der Instagram-Algorithmus bevorzugt ausspielt) mit schnellem Einstieg und flottem Schnitt, Comedy-Elementen, einem legeren Fitnessstudio-Setting und hochwertigen Gewinnen, die thematisch in die Fitness- und Lifestylewelt passen.
Sportuhr, Leistungsdiagnostik, Fitness-Food-Bundles: Anstatt einfach „irgendetwas Teures“ zu verlosen, schlagen die Incentives eine klare Brücke zur Marke und sind in den Captions witzig und pointiert eingebettet. Die Call-to-Actions sind klar und wiederholbar formuliert und beinhalten oft Buddy-Markierungen, was die organische Content-Distribution zusätzlich unterstützt.

Der Gewinnspiel-Content ist also kein Fremdkörper im Redaktionsplan von FitX – andere Postings basieren ebenso auf Comedy und interaktionstreibenden Formaten (“Stopp das Reel für deine Fitnessprophezeiung fürs neue Jahr”, “Gym Bro Essentials” und ähnliches). Die Gewinnspiel-Postings sind in Tonalität, Setting und Inhalt so brand-fit, dass nicht nur Reichweite entsteht, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die passende Zielgruppe angesprochen wird, für die der Content des Accounts auch über die Verlosung hinaus relevant bleibt.
Das gelingt unter anderem auch durch einen oft unterschätzten Conversion-Hebel: die Profilbeschreibung. FitX positioniert sich hier klar und zeigt, was der Account liefert: Trainingstipps, Rezepte, Gewinnspiele und Gym Comedy. Wer etwa über einen ausgespielten Beitrag auf das Profil gelangt, erkennt also schnell, wofür der Account steht – und ob sich ein Follow auch über das Gewinnspiel hinaus lohnt.

Takeaways für Brands:
Auch die deutsche Kette Fitness First Germany nutzte im Dezember die typische Adventskalender-Mechanik und schaffte es damit in diesem Zeitraum unter die Fitnessstudios mit dem stärksten Instagram-Engagement im DACH-Raum.
Ein genauerer Blick auf die Postings zeigt: Hier wird gewissenhaft, professionell und hochwertig gearbeitet. Auch in diesem Adventskalender sind hochpreisige Gewinne in Reels verpackt, die sauber gefilmt, markenkonform und sehr „premium“ im Look-and-Feel sind.
Genau darin steckt allerdings eine Herausforderung, die viele größere Marken betrifft: Cleaner Content, der wenig Reibung erzeugt (bei den Nutzer:innen und in der internen Marketing-Freigabeschleife) skaliert nicht unbedingt am besten auf den Social-Media-Plattformen.

Oft beobachtet man folgende Phänomene: Der Einstieg folgt einem braven Setup (in diesem Fall einer etwas zu langen Intro-Animation) anstatt mit einem klaren Hook zu beginnen. Die gesamte Dramaturgie („Gewinn wird vorgestellt“) schreit mehr nach Werbung als nach echtem, unterhaltsamen Social Content. Die Incentives sind hochpreisig, doch der Mehrwert des Accounts wird nicht sofort deutlich.
Das heißt natürlich nicht, dass der Ansatz von Fitness First Germany in diesem Fall „falsch“ ist – immerhin konnten enorme Reichweiten- und Interaktionszahlen erreicht werden. Aus Markensicht sollte man sich jedoch folgende strategische Fragen stellen: Bauen diese Interaktionen echte Markenrelevanz auf? Und: Was passiert nach der Aktionsphase? Wenn nach den interaktionstreibenden Formaten wieder zu generischen, statischen Info-Postings zurückgekehrt wird (in diesem Fall etwa ein eher trockenes Carousel über “Gründe, wieso dein Bizeps nicht wächst”), ist das Potenzial der neu gewonnenen Aufmerksamkeit vermutlich schnell vergeudet.

Takeaways für Brands
basefive_ ist ein österreichisches Fitnessstudio mit drei Standorten in Tirol und im Vergleich zu großen Gym-Ketten ein kleinerer Account. Auch der Content von Basefive bestand im Dezember hauptsächlich aus Adventskalender-Postings, wobei ein enorm interaktionsstarkes Ausreißer-Posting aus der Reihe tanzt.
Das Posting vom 24.12., das ein Vielfaches der Aufrufe und Interaktionen der übrigen Türchen aufweist, zeigt die Ski-Stars Mikaela Shiffrin und Aleksander Kilde beim Sport und anschließend beim Signieren einer Skibrille, die im Rahmen des Postings verlost wird. Weil es als Collab-Posting mit einer großen Shiffrin-Fanpage aufgesetzt ist, erreicht Basefive auch deren Follower:innen. Dieser Beitrag ist visuell ansprechend, prominent besetzt und in Sekunden verständlich. Er ist jedoch auch ein gutes Beispiel dafür, warum rasche Reichweite und kurzfristiges Engagement allein noch keine nachhaltige Markenwirkung bedeutet.

Die Herausforderung liegt hier vor allem in der Anschlussfähigkeit. Wenn der restliche Content auf dem Account aus lokalen Event-Ankündigungen und regionalen Aktivierungen besteht, entsteht für neu gewonnene Profilbesucher:innen rasch ein Bruch. Sie kommen wegen eines außergewöhnlichen Moments und landen in einem Feed, der für sie eigentlich keinen Mehrwert hat.
Genau hier trennt sich der Erfolg in Form von kurzfristiger Aufmerksamkeit von der Wirkung im Sinne langfristiger Markenpräferenz. Prominenz erzeugt oft geliehene Aufmerksamkeit, die erst dann nachhaltig wird, wenn die Marke schnell zeigen kann, wofür sie steht und welches wiederkehrende Content-Versprechen dahinter liegt.
Die Lösung ist dabei nicht, Collab-Posts grundsätzlich zu vermeiden. Im Gegenteil: Sie sind ein starker Hebel, wenn sie in eine geplante Story einzahlen. Sinnvoll wäre etwa, den Peak in ein wiederkehrendes Format zu übersetzen (beispielsweise „Guest/Athlete of the Month“, „Event Diary“, zusätzliche Snippets mit den Promis aus der ursprünglichen Produktion) und direkt danach 2–3 überregional verständliche Anschluss-Posts zu liefern, die auch ohne lokalen Kontext funktionieren. Dann bleibt der Feed für neue Besucher:innen relevant, auch wenn sie nicht aus der Region kommen.
Die strategische Konsequenz: Wer mit einem „Peak-Post“ Reichweite erzielt, braucht einen Plan für die nächsten Schritte. Andernfalls verpufft der Effekt und der Account bleibt im besten Fall mit einem schönen Spike, aber ohne dauerhaft stärkere Community zurück.
Takeaways für Brands
Die vier Beispiele stehen für ganz unterschiedliche Logiken, die alle auf ihre Art für vermehrtes Engagement sorgen: Serien-Engine; hochwertig produzierter, aber etwas zu werblich geprägter Aktionscontent; Peak-Reichweite mit Anschlussbedarf.
Um 2026 erfolgreiches Social Media Marketing zu betreiben und von Engagement langfristig zu profitieren, bleibt vor allem eine Frage zentral: Haben wir ein System, das Aufmerksamkeit in Markenrelevanz übersetzt?
✅ INs
❌ OUTs